Postulate für den Unterricht
Die sich aus diesen Voraussetzungen ergebenden Postulate für den Unterricht sind nicht neu. Sie wurden ausgehend von pädagogischen Grundlagen schon ähnlich formuliert. Die Ergebnisse der Gehirnforschung verleihen ihnen aber zusätzliches Gewicht. Wir heben sechs Punkte hervor.
Die Beschäftigung mit dem Lerninhalt ermöglicht gute soziale Erfahrungen. Schülerinnen und Schüler können sich gegenseitig in der Auseinandersetzung mit der Sache herausfordern, unterstützen und bestärken, indem sie individuelle Vorstellungen und Erkenntnisse austauschen und gemeinsam nach Lösungen und Formulierungen suchen. Die Lehrperson bemüht sich, das Denken und Handeln der Lernenden zu verstehen.
Die Lerninhalte sind vielseitig, gehaltvoll und wirklichkeitsnah, damit möglichst alle Lernenden mit ihrem Vorwissen, ihren Lernvoraussetzungen, ihren Lernstrategien und ihren Interessen subjektiv sinnvolle Zugänge finden. Der oft geforderte «Realitätsbezug» kann aus dem ausserschulischen «Alltag» oder aus der aktuellen räumlichen und materiellen Unterrichtssituation gewonnen werden.
Unterrichtende berücksichtigen die Heterogenität in der Klasse. Sie unterstützen nach Möglichkeit individuelle Lernwege und stimmen die Ansprüche auf die Möglichkeiten der einzelnen Schülerin / des einzelnen Schülers ab: Sie verlangen das Leistbare.
Ein breites Aufgaben- und Anforderungsspektrum, auch mit offenen Problemstellungen und einer entsprechenden Varietät an Ergebnissen, löst eine natürliche Differenzierung aus. Diese bietet Lehrkräften Trainingsmöglichkeiten im Umgang mit Heterogenität.
Der Unterricht fordert zum Lernen heraus. Dazu gehören Möglichkeiten, Hypothesen zu bilden und zu überprüfen. Dabei werden bestehende Konzepte modifiziert und neue gebildet. In einem Unterricht, der aktiv-entdeckendes Lernen ermöglicht, sind immer wieder Vermutungen zu wagen und zu diskutieren.
Der Unterricht ist daraufhin angelegt, dass die Lernenden sich ihres Lernens und insbesondere ihrer Lernstrategien bewusst werden. Zum Unterricht gehören das Nachdenken über das eigene Vorgehen, das Vergleichen von Lösungsansätzen und Lösungswegen sowie ganz allgemein die Reflexion, was gelernt wird, wozu gelernt wird und wie gelernt wird.
Lernende können erfahren, dass sie für ihr Lernen selbst verantwortlich sind. Die Lernanlage bietet immer wieder Situationen, in denen Lernende Entscheide fällen müssen. So werden Schülerinnen und Schüler zunehmend zuständig für ihr Lernen.



