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Schüpberg

Unsere Schule ist wie eine Familie

16 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gesamtschule Schüpberg. Sie sind zwischen 7 und 15 Jahre alt. Da sind einerseits jene Kinder, die mit ihren Familien auf dem Schüpberg wohnen. Andere Schülerinnen und Schüler kommen von auswärts. Die einen, weil ihre Eltern vom Modell dieser Schule sehr überzeugt sind, andere, weil sie Lernschwierigkeiten oder -behinderungen haben. Im «Biotop» der Schüpberg-Schule können diese Kinder, auch dank des heilpädagogischen Hintergrundes zweier Lehrpersonen, in den normalen Schulalltag integriert werden.

Ganz still ist es auf dem Schüpberg an diesem wolkenverhangenen Morgen. Das kleine Schulhaus unterscheidet sich kaum von den andern Häusern des Weilers. Der Duft des angrenzenden Gerstenfelds erfüllt die Luft. Im Schulhaus ist es ebenfalls noch ganz ruhig. Und auch als die Schülerinnen und Schüler der vierten bis neunten Klasse eintrudeln, wird es nicht sonderlich lärmig.

Ohne Selbstständigkeit geht es nicht

An diesem Dienstag steht im ersten Teil des Morgens Französisch auf dem Stundenplan. Die Lehrpersonen Marianne Schaffner und Matthias Friedli übernehmen in diesem Fach je eine Gruppe. Die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in die beiden Gruppen basiert aber nicht auf der Stufe, sondern auf dem Niveau bzw. den individuellen Fähigkeiten in diesem Fach. So unterrichtet Marianne Schaffner die Fünftklässler und einen Siebtklässler, die in Französisch schneller vorankommen als jene Schülerinnen und Schüler, die mit Matthias Friedli arbeiten.

Die Fünftklässler schreiben zuerst einen Wörtertest und arbeiten anschliessend mündlich mit ihrer Lehrerin an einigen Übungen. In dieser Zeit bereitet sich Alex aus der siebten Klasse mit Hilfe einer CD auf eine Übungssequenz zum Hörverstehen vor. Bei Matthias Friedli singen die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Unterrichts gemeinsam ein Lied, bevor Manuel und Nina aus der Oberstufe individuelle Aufträge erhalten und der Lehrer mit den Viertklässlern eine mündliche Übung macht. Simon hat grosse Mühe, sich zu konzentrieren. Er wirkt abwesend, wird aber von Matthias Friedli immer wieder konsequent ins Unterrichtsgeschehen einbezogen. Für ihn ist die Schüpberg-Schule ein Glücksfall, denn er wird hier trotz seiner Schwierigkeiten ganz selbstverständlich integriert. Nina kommt mit dem französischen Text nicht klar, den sie lesen und verstehen soll. Immer wieder braucht sie die Unterstützung ihres Lehrers, der dadurch in seiner Arbeit mit den andern Schülerinnen und Schülern oft unterbrochen wird. In solchen Situationen sind Toleranz und Verständnis aller Beteiligten unabdingbar – offenbar eine Selbstverständlichkeit in der Schüpberg-Schule.

Um 8.30 Uhr ist auch Beatrice Friedli da, die dritte Lehrperson im Team. Dienstag ist der einzige Tag, an dem alle 16 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gesamtschule Schüpberg. Sie sind zwischen 7 und 15 Jahre alt. Da sind einerseits jene Kinder, die mit ihren Familien auf dem Schüpberg wohnen. Andere Schülerinnen und Schüler kommen von auswärts. Die einen, weil ihre Eltern vom Modell dieser Schule sehr überzeugt sind, andere, weil sie Lernschwierigkeiten oder -behinderungen haben. Im «Biotop» der Schüpberg-Schule können diese Kinder, auch dank des heilpädagogischen Hintergrundes zweier Lehrpersonen, in den normalen Schulalltag integriert werden. Lehrpersonen gleichzeitig anwesend sind. An den andern Tagen sind jeweils nur zwei oder manchmal ist auch nur eine Lehrperson für den Unterricht verantwortlich. Zuerst arbeitet Beatrice Friedli mit Anna eine Lektion lang ganz allein. Die Drittklässlerin benötigt in Mathematik neben dem normalen zusätzlich heilpädagogischen Unterricht.

Atmosphäre der Ruhe und Konzentration

Um 9.15 Uhr sind auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler eingetroffen. Sie verbringen mit den andern zusammen die grosse Pause. Danach haben sie eine Stunde Mathematik mit Beatrice Friedli. Zu Beginn der Lektion halten sie Rückblick aufs zu Ende gehende Schuljahr und Ausblick aufs kommende: In welchem Zahlenraum haben wir uns bewegt? Was haben die Kinder der andern Stufen gemacht? Was erwartet uns im nächsten Schuljahr? Anschliessend arbeiten die Schülerinnen und Schüler allein oder im Team, mit und ohne Hilfe der Lehrerin. In dieser Zeit haben die Viert- bis Neuntklässler Deutsch. Später haben die Kleinen Deutsch, die Grossen Mathematik. Aber trotz der vielen Wechsel herrscht den ganzen Morgen über eine Atmosphäre der Ruhe und Konzentration.

Rituale sind wichtig

Am Dienstag essen mittags alle gemeinsam in der Schule. Die Stimmung am Mittagstisch verdeutlicht einmal mehr, was die Achtklässlerin Nina in einem Gespräch am Morgen gesagt hat: «Unsere Schule ist wie eine Familie.» Nach dem Unterricht am Nachmittag wird das Schulhaus gemeinsam geputzt, denn einen Hauswart hat die Schule nicht. Aber dem Lehrteam ist der gemeinsame Wochenputz auch aus einem anderen Grund wichtig. In einer Klasse, in der aufgrund eines breiten Alters- und Leistungsspektrums stark individualisiert werden muss, ist es wichtig, die Gemeinschaft zu pflegen. Das geschieht mit Ritualen zu Tagesbeginn und Tagesschluss, im Turn-, im Musik- und im NMM-Unterricht, beim gemeinsamen Mittagessen, oft auch zu Beginn oder am Ende einer Lektion – oder eben beim Putzen des Schulhauses.

Stärkung von Individuum und Gemeinschaft

Aus einem Gespräch mit den Lehrpersonen der Schüpberg-Schule

Es ist eindrücklich, von aussen zu beobachten, wie ruhig und friedlich in eurer doch sehr heterogenen Schule gearbeitet wird. Wie gelingt es euch, eine solche Lernatmosphäre zu schaffen?

Matthias Friedli: Es ist uns wichtig, mit den Schülerinnen und Schülern eine Gemeinschaft zu bilden und zu erhalten. Wir müssen also die Balance suchen zwischen Individualisierung und Gemeinschaftsbildung.

Marianne Schaffner: Wir können nicht jedes Kind ganz individuell begleiten. Aber wir müssen aufmerksam sein, was bei jedem Einzelnen abläuft, damit wir reagieren können, wenn es nötig ist. Ausserdem müssen wir einen Teil der Verantwortung an die Kinder delegieren, zum Beispiel, indem sie einander gegenseitig helfen.

Beatrice Friedli: Wir haben nach «Einrichtungen» gesucht, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Eine davon ist das Götti- / Gottesystem, in dem die älteren Schülerinnen und Schüler die jüngeren unterstützen. Ausserdem sind uns die gemeinsamen Rituale im Tages-, Wochenund Jahresverlauf sehr wichtig. Dazu gehören, neben den kurzen Alltagsritualen, der Mittagstisch, die Landschulwoche bzw. das Skilager oder auch das Theater, das wir alle zwei Jahre gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickeln.

Matthias Friedli: In denselben Bereich gehört unser Waldhaus. Wir haben es ganz in der Nähe gemeinsam mit den Kindern gebaut, und die ganze Klasse findet darin Platz. Wir pflegen es gemeinsam und nutzen es für verschiedene Anlässe. Auf dem Platz davor finden meistens unsere Turnstunden statt, da wir ja keine Turnhalle haben. Das Turnen im Freien stärkt in unseren Augen auch die Willensbildung der Kinder.

Marianne Schaffner: Eine unserer Aufnahmebedingungen lautet, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig zur Schule kommen müssen. Für die meisten bedeutet das täglich einen recht langen und meist anstrengenden Weg mit dem Fahrrad. Das stärkt unseres Erachtens das Selbstbewusstsein der Kinder und ihre Unabhängigkeit von ihren Eltern in Bezug auf die Mobilität.

Text und Bilder: Susanne Gattiker

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