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Debattieren: In der Schule üben – in der Öffentlichkeit bestehen

Das Projekt «Jugend debattiert» möchte Lehrpersonen der Sekundarstufen I und II darin unterstützen, sich mittels der Debatte im Unterricht der Rhetorik anzunehmen. Bis Frühjahr 2006 sollen in 1500 Klassen der ganzen Schweiz mit speziellen Unterrichtsmaterialien Debatten vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet werden. Jugendliche der Jahrgänge 1986 bis 1993 werden ermuntert, ihre erworbenen Fähigkeiten zuerst in einem regionalen Wettbewerb und dann im Finale, dem Schweizer Cup, unter Beweis zu stellen.

Das Debattieren gilt mit Recht als Königsdisziplin der Rhetorik. Pro und Kontra, witzige Wortwechsel, Themen, die alle angehen, sind für Hörerinnen und Hörer ebenso wie für Rednerinnen und Redner interessant. Eine Vielzahl von Fähigkeiten und Fertigkeiten können im Rahmen der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Debatte eingeübt werden. Debattieren ist sprachliche Bildung. Als Inbegriff des Streits nach Regeln ist die Debatte zugleich Modell – Modell für Willensbildung in unserer demokratischen Gesellschaft. Denn überall, wo wir als Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen, um zu verbindlicher Entscheidung in praktischen Fragen zu gelangen, überall, wo wir in Rede und Gegenrede klären, was bei der betreffenden Entscheidung zu bedenken ist, wird debattiert. Debattieren ist auch politische Bildung.

Debattieren fördert Kompetenzen

Gemäss allen Lehrplänen soll die Schule die Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler fördern. Jugend debattiert enthält alle drei Komponenten:

Sachkompetenz
Nur wer die zur Debatte stehende Frage genau analysiert und sich in den Argumenten kundig gemacht hat, wird in der Auseinandersetzung mit anderen bestehen können.
Selbstkompetenz
Nur wer in der Debatte sicher (aber nicht arrogant) auftritt, wirkt glaubwürdig.
Sozialkompetenz
Debattiert wird mit anderen zusammen und im gegenseitigen Austausch. Wer überzeugen will, muss beweisen, dass er oder sie auf andere hören und auf sie eingehen kann.

Für die Schülerinnen und Schüler sind Debattierfähigkeiten besonders nützlich: In Referaten und in den mündlichen Abschlussprüfungen aller Schularten hat bessere Chancen, wer frei und zusammenhängend reden kann. Auch Präsentationen mit Medieneinsatz gelingen besser, wenn man weiss, wie man Reden aufbaut und klar strukturiert. Ebenso profitiert das Aufsatzschreiben. Die Reden zur Eröffnung einer Debatte bieten hierzu eine hervorragende Übung.

Die Regeln bei «Jugend debattiert»

  1. Debattiert werden aktuelle politische Streitfragen. Jede Frage ist so zu stellen, dass sie nach einer konkreten Massnahme fragt und nur mit «Ja» oder «Nein» beantwortet werden kann.
  2. Debattiert wird zu jeweils vier Personen. Zwei sprechen sich für, zwei gegen das Gefragte aus. Einen Gesprächsleiter, eine Gesprächsleiterin gibt es nicht.
  3. Die Debatte gliedert sich in drei Teile: Eröffnungsrunde, Freie Aussprache und Schlussrunde. In der Eröffnungsrunde hat jeder Teilnehmende die Streitfrage aus seiner Sicht zu beantworten, dann wird die Aussprache in freiem Wechsel fortgesetzt. Nach Ende der Freien Aussprache hat jeder Teilnehmende die Streitfrage im Lichte der geführten Debatte ein zweites Mal zu beantworten (Schlussrunde).
  4. In der Eröffnungsrunde beginnt, wer die Änderung des bestehenden Zustands wünscht. Rede und Gegenrede wechseln einander ab. In der Schlussrunde sprechen die Teilnehmenden in gleicher Reihenfolge wie in der Eröffnungsrunde. Dabei steht es jedem frei, seine Position gegenüber der Eröffnungsrunde zu verändern.
  5. In der Schlussrunde sollen nur Gründe vorgetragen werden, die bereits in der Eröffnungsrunde oder in der Freien Aussprache genannt worden sind.
  6. In der Eröffnungsrunde darf jeder Teilnehmende ohne Unterbrechung zwei Minuten sprechen. Die Freie Aussprache dauert insgesamt zwölf Minuten. In der Schlussrunde ist die Redezeit jedes Teilnehmenden auf eine Minute begrenzt.
  7. Über die Einhaltung der Redezeiten wacht ein Zeitwächter oder eine Zeitwächterin. Fünfzehn Sekunden vor Ablauf der Redezeit wird ihr nahes Ende durch einmaliges Klingelzeichen angezeigt. Das Überschreiten der Redezeit wird durch zweimaliges Klingelzeichen angezeigt und anschliessend durch dauerndes Klingelzeichen unterbunden.
Eröffnungsrunde: Stellung beziehen | 8 Minuten maximal
Jede Person hat je maximal 2 Minuten Redezeit ohne Unterbrechung. Pro- und Kontra-Rednerinnen und -Redner wechseln einander ab. Pro beginnt.
Freie Aussprache: Klärung der Positionen | 12 Minuten
Die Freie Aussprache findet ohne Gesprächsleitung in freiem Wechsel statt. Man fasst sich kurz und geht aufeinander ein.
Schlussrunde: Fazit ziehen und erneut Stellung beziehen
Jede der vier Personen hat maximal 1 Minute Redezeit, ohne Unterbrechung. Es gilt die gleiche Reihenfolge wie in der Eröffnungsrede. Es werden keine neuen Argumente gebracht, sondern die Streitfrage wird ein zweites Mal, nun im Lichte der bis anhin geführten Aussprache, beantwortet.
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