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Kranke Wörter gehören ins Wörterspital

«Das Kind lernt von selbst – aber nicht von allein.» So äussert sich Heiko Ballhorn im Bezug auf das Schreibenlernen. Sprachfähigkeiten sind komplexe Fähigkeiten, vieles muss zusammenspielen. Es ist wichtig, dass sich Routine und Muster ausbilden, auf die Schülerinnen und Schüler später zurückgreifen können, wenn sie sie brauchen. Das gilt insbesondere auch für die Rechtschreibung. Das Lehrmittel «Sprachfenster» (Lehrmittelverlag Zürich, 2000) unterstützt die Lehrenden und Lernenden auf diesem Weg mit sinnvollen Trainingmöglichkeiten. Ein Beispiel zum Rechtschreibetraining aus dem Lehrmittel «Sprachfenster».

Eintritt ins Wörterspital

Auf der Unterstufe spielt das Lernen der Schreibweise einzelner Wörter für die Rechtschreibefähigkeit eine zentrale Rolle. Im Sprachfenster stehen dazu zwölf verschiedene Übungen zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei nicht irgendwelche Wörter üben, sondern solche, die sie falsch geschrieben haben, so genannte «kranke» Wörter. Dazu ist es notwendig, persönliche Wörterlisten anzulegen. Die Lehrperson führt für jedes Kind eine individuelle Fehlerliste. Hier werden die «kranken» Wörter festgehalten, die der Lehrperson bei der Korrektur von Texten aufgefallen sind. Es geht nicht darum, alle fehlerhaften Wörter festzuhalten, sondern vor allem jene Wörter, die zum Grundwortschatz gehören oder die vom Kind häufig verwendet werden. Aus diesen Listen werden die Wörter portionenweise (z. B. jeweils fünf bis acht Wörter) in die «Wörterspitäler» der Kinder übertragen.

Pflege

Diese «kranken» Wörter brauchen einer besonderen Pflege. Die richtige Schreibweise der Wörter muss von den Schülern und Schülerinnen geübt werden. Die Lernenden schreiben ihre Wörter in korrekter Schreibweise auf Kärtchen und legen sie anschliessend in ihr zweistöckiges Wörterspital in die Abteilung kranke Wörter. Nun werden die «kranken» Wörter gesund gepflegt mit Hilfe der Trainingsformen aus dem Sprachfenster.

Wichtig ist, dass die Schülerin oder der Schüler die Wörter an verschiedenen Tagen und mit verschiedenen Trainingsformen übt. Das Kind verinnerlicht so die Schreibweise der bearbeiteten «kranken» Wörter und wendet die Übungen und Kontrollen sinngemäss und selbstverständlich an.

Kontrolle

«Kranke» Wörter, die gesund «gepflegt» wurden, kommen anschliessend in das untere Stockwerk des Wörterspitals und werden von der Lehrkraft kontrolliert zum Beispiel in Diktatform. Auch hier bietet das Sprachfenster spannende Trainingsmöglichkeiten an. In einem so verstandenen Rechtschreibetraining steht die auf mehrere Tage verteilte Übungsphase im Vordergrund. Das Diktat hat lediglich die Funktion einer Lernkontrolle und soll nach Möglichkeit selbstständig durchgeführt und ausgewertet werden.

Entlassung aus dem Wörterspital

«Gesunde» Wörter werden entlassen und von Zeit zu Zeit überprüft. Die Wörterliste mit den «kranken» Wörtern wird immer wieder aktualisiert, so dass die Schülerinnen und Schüler permanent am Trainieren ihrer Rechtschreibefähigkeit sind. Wichtig ist dabei, dass die Lehrperson die korrekte Schreibweise der Wörter überprüft, die die Kinder in ihr Spital aufnehmen. So wird erreicht, dass die Kinder sich keine falschen Wortbilder einprägen. Auf diese Weise werden die Schülerinnen und Schüler vermehrt für die korrekte Schreibweise der Wörter sensibilisiert und können beim Verfassen von eigenen Texten und Geschichten zunehmend die richtige Schreibweise der Wörter anwenden. .net Weitere Trainingsmöglichkeiten aus dem Lehrmittel «Sprachfenster» finden sich im Download.

Fazit

Mit dieser individuellen Trainingsform wird den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, eigenaktiv und wirkungsvoll mit der Rechtschreibung umzugehen. «Lernen aus Fehlern» wird so im wörtlichen Sinn umgesetzt. Mit Hilfe dieser Art von Rechtschreibetraining steht der Lernweg des einzelnen Kindes im Vordergrund. Die Rechtschreibung wird durch gezieltes Üben gelernt und nicht durch gleichgeschaltete Diktatarbeit.

Christine Leichtnam

Es gibt sehr viele Wörter, die als Einzelfälle gelernt werden müssen, weil sie auf der Unterstufe oder generell nicht mit Regeln beschrieben werden können (dazu gehören auch die Wörter mit dem so genannten Dehnungs- h!).

Die Formen dieser Wörter müssen durch Automatisieren gespeichert und unter Einbezug verschiedener Sinneskanäle möglichst vielfältig vernetzt werden.

Rechtschreibeprobleme mit einem grammatischen Hintergrund dagegen müssen nicht eingeschliffen, sondern verstanden werden. (Sprachfenster Handbuch S. 221)

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