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Mit Problem-Based Learning die Problemlösefähigkeit fördern

Das Problem-Based Learning (PBL) ist eine Lehr- und Lernform, die seit 20 Jahren weltweit eingesetzt wird, vor allem auf der Tertiärstufe. Sie kann aber auch von der obligatorischen Schule genutzt werden.Das Problem-Based Learning (PBL) ist eine Lehr- und Lernform, die seit 20 Jahren weltweit eingesetzt wird, vor allem auf der Tertiärstufe. Sie kann aber auch von der obligatorischen Schule genutzt werden.

Das Lehr- und Lernverständnis des PBL ist konstruktivistisch, gehirngerecht und orientiert sich an den Lernenden. Das PBL geht von Fällen aus (auf Englisch: problems), von realistischen, eingebetteten Phänomen, z. B. von folgendem Fall aus der medizinischen Ausbildung an der Universität Maastricht, Niederlande:

Blut im Mund
Ein Monteur kommt zum Arzt und sagt: «Als ich heute Morgen hustete, hatte ich wieder Blut im Mund. Das ist in den letzten zwei Wochen schon öfters passiert und nun mache ich mir doch Sorgen.»

Nach Moust et al 1999 in Weber 2004

Die Lernenden werden mit diesem Fall konfrontiert. Der Fall präsentiert sich als konkrete berufliche Situation, die einlädt zur Identifikation sowie zur emotionalen Betroffenheit und einen Aufforderungscharakter hat: Was ist hier Sache? Was tun? Lernende sind gefordert, ihre im Langzeitgedächtnis gespeicherten Erfahrungen und ihr Vorwissen zu aktivieren sowie Hypothesen zu generieren. Ziel des Lernens am Fall ist, sich möglichst viel Wissen anzueignen, um die Situation und deren Hintergründe zu verstehen beziehungsweise das Problem bearbeiten zu können. Das PBL geht vom aktiven Lernen in der Gruppe aus. Die Lernenden übernehmen die Verantwortung für die aufgaben- und gruppenbezogenen Ergebnisse und für ihr eigenes Lernen. In einem strukturierten Gruppengespräch, das von einer Lehrperson begleitet wird und in der Regel eine Stunde dauert, gelangen die Lernenden zu den Lernfragen, die sie nachher im Selbststudium bearbeiten. Das Vorwissen der Lernenden ist die Ausgangslage. Der Fall sollte den Horizont des Vorwissens jedoch übersteigen und einen kognitiven Konflikt auslösen, so dass die Lernenden angeregt werden, sich neues Wissen aneignen zu wollen. Die heterogene Zusammensetzung der Gruppe wird als Ressource wertgeschätzt. Die Lernenden moderieren und protokollieren die Sitzung selber.

Bearbeitung des Falls

Das Lernen mit PBL soll zum Kompetenzerwerb führen, der Fall wurde so konstruiert, dass die zu bearbeitenden Lernfragen den Kompetenzaufbau unterstützen. Indem Kenntnisse erworben, Fähigkeiten erarbeitet, Fertigkeiten gefestigt werden und an Haltungen gearbeitet wird, lassen sich Kompetenzen aufbauen. Wie detailliert die Ziele definiert werden können, zeigt das nachfolgende Raster. Dieses Raster lässt sich gut als Planungsinstrument verwenden, um eine Kompetenz gezielt zu arbeiten.

Kompetenzziele (nach dem Kompetenzmodell des BBT 2003)

Die Lernenden werden mit Problem-Based Learning gestärkt in Bezug auf die Übernahme von Verantwortung, das selbst gesteuerte Lernen, Metakognition, den Gruppenprozess und die Teamfähigkeit, sie lernen Feedback zu geben und zu nehmen, ihr Lernen kritisch zu reflektieren und mit Informationen umzugehen. Die in einen situierten Kontext eingebetteten Fälle werden besser erinnert, es wird eine Brücke geschlagen zwischen theoretischem Wissen und der konkreten Praxis. Mit der Arbeit an ähnlichen Fällen wird der Transfer auf eine neue Situation gefördert. Die Haltung, konstruktiv und angstfrei an ein Problem heranzugehen, im Vertrauen darauf, dass Antworten gefunden werden können, wird verstärkt. Die Rolle der Lehrperson ändert sich, «from the sage on the stage to the coach on the side» (sinngemäss: Vom Weisen auf dem Podium zum Coach an deiner Seite). Oder um es mit den Worten der Reformpädagogin Maria Montessori zu sagen: «Hilf mir, es selbst zu tun!»

Ein problemorientierter Unterricht kann auch an der Volksschule gewinnbringend eingesetzt werden, wie erfolgreiche Beispiele aus den USA zeigen. So gesehen ist PBL eigentlich nichts anderes als eine mögliche erweiterte Lehr- und Lernform des offenen Unterrichts.

Agnes Weber

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