Wenn Kinder mit Kindern Probleme lösen
Was passiert, wenn 65 Schülerinnen und Schüler aus sieben Gemeinden für einen Morgen zusammenkommen? Sind die Teilnehmenden Mitglieder verschiedener Ideenbüros, ist die Antwort klar: Es werden eine Menge neuer Ideen ausgetauscht und entwickelt! So geschehen am Ideenbüro-Tag Anfang März 2007.
Ein trüber Morgen, draussen alles ziemlich kahl und grau. Umso wohltuender der Wechsel beim Eintreten in die Aula des Instituts für Weiterbildung der PH Bern. Dort versammelt sich nämlich gerade eine bunte Schar von Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 13 Jahren, die mit ihren Lehrpersonen zum ersten Ideenbüro-Tag angereist sind. Sie kommen aus Zollikofen, Thierachern, Sutz-Lattrigen, Reigoldswil, Leubringen, Ins und Epsach. Und sie arbeiten alle mit in den Ideebüros ihrer Schule.
An diesem Morgen wollen sie sich mit den Mitgliedern anderer Ideenbüros austauschen, voneinander lernen und gemeinsam an einem Ideenfindungsprozess teilnehmen.
Der Morgen steht unter dem Motto: Man muss seine Ideen verwirklichen, sonst wuchert Unkraut darüber. (Jean Paul)
Nach einem kurzen Kennenlernspiel und einer Einführung durch Christiane Daepp und Fredi Zumbrunn, die Initianten des Ideenbüro-Tages, bauen die Schülerinnen und Schüler einen «Marktplatz» auf. An ihren Ständen zeigen die verschiedenen Büros auf Plakaten und anhand verschiedener Unterlagen, wie das Ideenbüro ihrer Schule funktioniert.
Während des Marktbetriebs findet ein reger Austausch statt. Da wird darüber gesprochen, welche Probleme schon ins Büro hereingetragen wurden und wie sie gelöst wurden. Oder welche Initiativen die Mitglieder des Ideenbüros schon selber ergriffen haben, um ein Problem anzugehen, das sie in ihrer Schule wahrgenommen haben.
An einigen Ständen darf man auch Einblick nehmen in Protokolle, die über ein Beratungsgespräch angefertigt wurden:
Beratungsprotokoll
Beratende: Martin, Nils, Benjamin | Ratsuchendes Kind: Severin
Was ist das Problem?
Laurent nervt. Er ist das Hauptproblem der ganzen Schule.
Er stört und schikaniert alle.Was ist dein Ziel?
Er soll aufhören, wenn jemand stopp sagt.Was hast du bis jetzt unternommen, um das Problem zu lösen?
28-mal in den Klassenrat gebracht.Was hat dich gehindert, das Problem zu lösen?
Er hört nicht auf, wenn man stopp sagt.Wie könnte das Problem gelöst werden?
Laurent soll nicht mehr doof tun.
Vorschläge der Beratenden: Severin soll in fünf grossen Pausen mit Laurent spielen.
In der zweiten Morgenshälfte findet ein Ideenfindungsprozess statt. Die Fragestellung lautet:
Was müsste getan werden, damit Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse immer noch so gern zur Schule gehen wie jene der 1. Klasse.
Die Teilnehmenden sammeln zuerst alleine Ideen und schreiben jede Idee einzeln auf «Glühbirnen» aus Papier. So kommen in diesem ersten Schritt innert 10 Minuten ca. 240 Ideen zusammen.
In der nächsten Runde setzen sich je vier Kinder aus verschiedenen Ideenbüros zusammen, nehmen einen Stapel der «Glühbirnen», wählen daraus die vier besten und kleben sie auf ein Papier. Jetzt sind es noch 60 Ideen.
In der letzten Phase geben alle Gruppen die vier Ideen, die sie ausgewählt haben, an eine andere Gruppe weiter. Jede Gruppe wählt nun eine der vier Ideen aus, schreibt sie auf ein Blatt Papier und präsentiert sie anschliessend im Plenum.
Und das sind die 15 besten Ideen, deren Umsetzung in den Augen der Ideenbüro-Kinder dazu führen könnten, dass Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse noch genau so viel Spass an der Schule haben wie jene der 1. Klasse:
- Man sollte lustige und interessante Themen haben. Und zum Thema vielleicht einen Ausflug oder etwas Witziges machen.
- Weniger lang Schule, doch die Schulstunden richtig durchziehen!
- Keine Hausaufgaben geben!
- In allen Fächern könnte man spielerisch lernen, das würde allen Spass machen.
- Einmal in der Woche auf einen Arbeitsplatz gehen und dort arbeiten wie Erwachsene.
- Die Fächer, die die 9.Klasse gern hat, mehrmals in der Woche machen!
- Mehr Filme schauen!
- Wenn viel Bewegung in den Unterricht gebracht wird. Viele Tätigkeiten planen: z. B. ins Schwimmbad gehen oder ein Musical machen oder selber den Stundenplan machen. Die Schüler auch selber Ideen bringen lassen.
- Man sollte weniger Tests machen. Die Tests sollten kleiner sein, so dass alle gut nachkommen.
- Einen humorvollen Lehrer!
- Dass im Unterricht immer spannende Themen aufkommen. Die 9.-Klässler sollen auch selber Themen auswählen können.
- Man sollte aktiver mit den Kindern sein und immer wieder irgendwo hingehen.
- Mehr Aktuelles bieten: Sport, Werken. Weniger Ödes: Französisch, Deutsch. Das bieten, was den Schülern gefällt.
- Z.B. 2-mal in der Woche einen speziellen Ausflug machen, der den Schülern gefällt!
- Man könnte mal was ganz anderes machen als Tests, z.B.: Man könnte, wenn man das Thema Natur hätte, in die Natur gehen und alles fotografieren!
Eines hat der Ideenbüro-Tag deutlich gezeigt: Schülerinnen und Schüler haben viele Ideen. Und sie wollen vor allem eines: gehört und einbezogen werden. Sie wollen ihre Schule mitgestalten und beim Lösen von Problemen helfen. Dafür sind die Ideenbüro-Kinder bereit, sich zu engagieren. Wenn nötig auch ausserhalb des Stundenplans.
Susanne Gattiker
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