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Auf Spurensuche

Das Fach NMM eignet sich vorzüglich für einen problemorientierten Unterricht. Schon kleinere Untersuchungen oder Erkundigungen stellen die Lernenden vor vielfältige Probleme.

Persönliche Fragen und Anliegen formulieren
Die Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klasse der kleinen Berner Landgemeinde Homberg beschäftigen sich seit einiger Zeit mit dem NMM-Thema Zeit – Zeitspuren. Die Auseinandersetzung mit Spuren und Überresten aus der Vergangenheit löst bei Kindern viele spannende Fragen aus, auf die es zum Teil keine eindeutigen Antworten gibt:
* Warum vermutet man, dass es auf der Erde früher so heiss war?
* Warum sind die Dinosaurier ausgestorben und andere Tiere nicht?
* Warum sagt man, dass die Erde am Anfang wüst und öd war?
* Was kann uns ein Knochen oder eine Versteinerung erzählen?

Wenn wir Lehrpersonen uns diesen Fragen gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern stellen, arbeiten wir an der Fähigkeit, Probleme zu lösen. Die Lösung eines Problems ist häufig unbekannt, manchmal gar unmöglich oder schwierig zu finden. Es bleibt oft kein anderer Weg, als Vermutungen anzustellen und diese mit anderen Menschen auszutauschen.

Neues entdecken und erschliessen
Die Kinder der 3. und 4. Klasse haben mit Hilfe des Legesets aus dem Lehrmittel «RaumZeit» Fossilien, Spuren und Funde aus der Geschichte der Erde kennen gelernt. Nachdem sie das Interview mit einer Paläontologin gehört haben, sind sie sensibilisiert dafür, dass es Menschen gibt, die sich mit der Geschichte unserer Erde auseinandersetzen und sie erforschen. Die Schülerinnen und Schüler haben sich Vorwissen angeeignet, das ihnen weitere Schritte auf dem Weg zum Problemlösen ermöglicht.

Aufgrund dieser Inputs sind die Schülerinnen und Schüler nun sehr interessiert daran, selber zu forschen und Spuren aus der Vergangenheit nachzugehen. Eines Morgens stehen Roger und Jasmin voller Stolz mit einer grossen Schachtel vor mir. Im Morgenkreis wird die Schachtel geöffnet. Das ist eine Überraschung: Roger und Jasmin haben ca. 20 Knochen eines Tieres mitgebracht und möchten nun wissen, von welchem Tier die Knochen stammen.

Andere Sichtweisen einnehmen, Perspektiven wechseln
Angesteckt von Roger und Jasmin bringen die Kinder in den nächsten Tagen noch mehr Knochen in die Schule. Ein Forschungsprojekt entsteht. Die Schülerinnen und Schüler haben Fragen und mir als Lehrperson ist es wichtig, ihre Anliegen ernst zu nehmen und auf die gestellten Fragen einzugehen. Mit grossem Eifer fangen die Schülerinnen und Schüler an, ihre mitgebrachten Knochenstücke zu untersuchen. Sie messen aus, zeichnen, schauen in Zoologiebüchern nach, erforschen den Fundort, schreiben Mails an das Naturhistorische Museum in Bern, fragen beim Metzger im Dorf oder bei ihren Eltern nach.

Die Schülerinnen und Schüler halten die Vermutungen, die sie anstellen, schriftlich fest und präsentieren sie zu einem späteren Zeitpunkt in einem kurzen Vortrag der ganzen Klasse. Während der Arbeit merken die Schülerinnen und Schüler, dass es oft gar nicht einfach ist, Vermutungen anzustellen und herauszufinden, um was für ein Knochenstück es sich nun wirklich handelt. Im gemeinsamen Gespräch erkennt Adina, dass ihr Zahn kaum einem Mammut gehört haben kann, er ist viel zu klein. Eher ist es der Zahn eines Wildschweins. Gibt oder gab es Wildschweine in unserer Region? Adina lernt an diesem Punkt, dass das Lösen eines Problems Ausdauer und Zeit braucht. Manchmal findet man sich auf einem Irrweg. Man muss reflektieren, wiederum Fragen stellen und kommt so auf Umwegen auf die richtige Spur. Um diese Ausdauer der Schülerinnen und Schüler aufrechtzuerhalten, braucht es von den Lehrpersonen die nötige Sensibilität, im richtigen Augenblick zu motivieren, am Problemlösen weiterzufahren. Nadja bekommt auf ihre Fotomailanfrage beim Museum die Antwort, dass der Zahn, den sie im Garten gefunden hat, erst genau bestimmt werden kann, wenn Aufnahmen davon von verschiedenen Seiten vorliegen oder wenn er per Post ins Museum geschickt wird.

Austauschen, vergleichen und überprüfen
In der anschliessenden Präsentation ihrer Forschungsergebnisse lernen die Schülerinnen und Schüler, den andern Kindern ihre Einschätzungen und Ansichten vorzustellen. In der Begegnung mit unterschiedlichen Sichtweisen, Berichten und Darstellungen lernen sie über ihre eigenen Beziehungen zu Dingen und Situationen nachzudenken und verschiedene Betrachtungsweisen einzuschätzen. Für die Lehrperson ist es in diesem Augenblick zentral, auch unkonventionelle und unvollkommene Lösungswege zu würdigen. In der Reflexionsphase können die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Vorstellungen neu überdenken. Durch die Rückmeldungen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler bekommen sie neue Impulse und können ihre Vorstellungen auf Grund neuer Erkenntnisse weiterentwickeln. Die Forschungsarbeit der Schülerinnen und Schüler ist also nicht abgeschlossen, sondern kann von Neuem beginnen.

Vielfältige Zugänge und Lernwege öffnen
Im NMM-Unterricht geht es auch darum, Neugierde zu wecken, Vermutungen anzustellen und über das Leben und den Alltag nachzudenken. Im Lehrmittel «RaumZeit» findet man eine Fülle von Materialien, die zu Lernreisen in fremde Umgebungen, frühere Zeiten, andere Lebensumgebungen einladen. Die Schülerinnen und Schüler können ihre eigenen Vorstellungen zur Geschichte der Erde und der Lebewesen zum Ausdruck bringen. Ihre Vermutungen und Vorstellungen tauschen sie untereinander aus. Daraus ergeben sich neue Sichtweisen und diese öffnen ihrerseits neue Möglichkeiten, sich zu orientieren. Das Problemlöseverhalten der Schülerinnen und Schüler kann dann am besten gefördert werden, wenn der Unterricht ein aktiv-entdeckendes Lernen zulässt.

Christine Leichtnam

Worum es geht

Im Kapitel «Geschichte der Erde und der Lebewesen» wird dazu angeleitet – ausgehend von eigenen Vorstellungen und von Spuren und Funden aus früheren Zeiten –, Fragen zu Entwicklungen und Veränderungen auf der Erde und der Lebewesen nachzugehen, selber und im Austausch mit anderen Antworten zu suchen, Erkenntnisse aufzunehmen, Vorstellungen weiterzuentwickeln und Orientierungshilfen zu finden.

Schülerinnen und Schüler
* machen sich ihre eigenen Vorstellungen und Vorkenntnisse bewusst und tauschen diese aus;
* nehmen Einblick, wie Spuren und Funde erschlossen und wie Lebensbilder zu früheren Zeiten rekonstruiert werden;
* suchen Möglichkeiten, Spuren selbst zu lesen, d. h. ihnen Informa-tionen zu entnehmen;
* lernen, Entwicklungen und Veränderungen wahrzunehmen und zu beschreiben;
* finden Orientierung, können Erzählungen, Berichte, Bilder als momentane Ergebnisse von Rekonstruktionen einordnen und stellen die Frage nach Wirklichkeit und Fiktion;
* gehen Fragen nach, die sie für sich selber als wichtig erachten, und entwickeln sachbezogen und persönlich Orientierung zur Geschichte der Erde und der Lebewesen.

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