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FrageZeichen

«Wer sich auf Religion einlässt, muss lernen, ihre Sprache zu verstehen und nicht an den Wörtern zu kleben. Kinder, die gemeinsam mit den ‹FrageZeichen› arbeiten, haben gute Chancen, diesem Ziel näherzukommen.»

Benz H. R. Schär

Am 17. März 2008 fand in der Kornhausbibliothek Bern eine Präsentation des neuen interreligiösen Lehrmittels «FrageZeichen» statt. Als aussenstehende Fachperson hat Benz H. R. Schär in einem Referat seine Einschätzung dieses Lehrmittels dargelegt. Herr Schär ist Leiter der Fachstelle Migration der Reformierten Kirchen Bern– Jura – Solothurn und Dozent für Sozialethik und Systematische Theologie an der Universität Bern.

Ausschnitte aus dem Referat von Benz H. R. Schär

Benz H.R. SchärBenz H.R. SchärReligionen treten meist anders auf als im Zeichen der Frage – und so werden sie auch wahrgenommen. Sie lassen von sich hören in der Tonart des Ausrufezeichens! «Du sollst …!», heisst es dann. Oder: «Es steht geschrieben …!» Oder: «Hier sind die Antworten!» (nicht die Fragen) – und zwar die richtigen, einzigen, endgültigen. So ist es jedenfalls oft – noch öfter aber pflegt man diese Haltung den Religionen unterzuschieben.

Das Kapitel, das dem Lehrbuch vorangestellt ist und mit dem die Arbeit unter allen Umständen begonnen werden soll, bemüht sich um diesen sachgemässen Zugang zur «Sprache der Religionen». Es stellt mit kleinen Übungen klar, wie die Zeichen, die diese Sprache ausmachen, in einem weiten Sinn verstanden werden müssen und wie genau diese Weite unaufgebbar ist, wo es um die innere Wirklichkeit geht, um Überzeugungen, um Hoffnungen, um Ängste: Bilder, Gleichnisse, Symbole und Metaphern sind fähig, an dieser Wirklichkeit zu rühren, sie zur Sprache zu bringen, zwar nicht objektiv, dafür aber situationsbezogen.

Selbst wenn die Religionen die Wahrheit repräsentieren könnten: Sie begegnen uns nie rein, sondern vermischt mit allen möglichen Lebenssituationen und Milieus, inkarniert im Leben eines Kindes, einer Arbeiterfrau, eines Wohlstandsbürgers oder eines alten Menschen.

Dialogfähig sind bloss religiöse Menschen, die bereit sind, auch das, was sie sonst noch im persönlichen Reisegepäck mitführen, zur Sprache zu bringen und zu klären.

Die «FrageZeichen» haben dies methodisch geschickt und wie mir scheint mit schönem Resultat umgesetzt. Ich gratuliere den Autorinnen und dem Verlag und wünsche, dass ihr Werk nun rege benützt wird.

Eva Pruschy, Religionspädagogin jüdischen Glaubens, äusserte sich wie folgt:

Eva PruschyEva PruschyIch kam als Vertreterin einer Minderheiten-Religion mit gewissen Erwartungen an dieses Projekt heran: Gut, dachte ich, dies ist jetzt die Gelegenheit, bereits Primarschülerinnen und -schülern etwas über die jüdische Kultur und Tradition und vielleicht etwas über jüdische Werte zu erzählen. Doch so wie das Lehrmittel angelegt ist, und das finde ich das Faszinierende daran, geht es nicht in erster Linie um das je Eigene der verschiedenen Religionen (doch das natürlich auch, denn im Kapitel Orientierungswissen lässt sich vieles über die Religionen lernen), sondern es geht um das Gemeinsame: Alle Religionen – und alle Menschen – machen sich Gedanken darüber, warum Menschen leiden, woher wir kommen oder wie man wissen kann, was recht und unrecht ist. «FrageZeichen» betont in der Art und Weise, wie es aufgebaut ist, dieses gemeinsame Suchen nach Antworten, die zumeist gar nicht weit auseinanderliegen, nur evtl. in einer unterschiedlichen Bildsprache vermittelt sind. Wie im Vorwort für die Lehrpersonen steht, soll dieses Wahrnehmen des Gemeinsamen zwischen Menschen verschiedener sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft Basis von Solidarität untereinander werden.

Die Lehren und Antworten der Religionen sind heute nur eine Möglichkeit der Selbst- und Weltinterpretation. Jedoch werden sie im Lehrmittel «FrageZeichen» derart sensibel und undogmatisch präsentiert, dass wir nur hoffen können, dass die Schülerinnen und Schüler die Religion tatsächlich als Richtschnur für das eigene ethisch-moralische Verhalten heranziehen werden und etwas von der Kraft des Lebens und der Liebe für sich beanspruchen können, die von religiöser Spiritualität ausgehen.

Die vollständigen Referate sind unter http://www.schulverlag.ch/nmm550 zu finden.

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