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Sich eine neue Welt erschliessen

Die Entwicklungsarbeiten am Nachfolge-Lehrmittel von «Bonne Chance!» haben begonnen. Wie kann die kommunikative Kompetenz in der neuen Sprache Französisch bereits in der 3. Klasse gefördert werden? Ein Werkstattbericht aus dem Einstiegsjahr.

Sprache und Kommunikation spielen im Alltag unserer Kinder eine wichtige Rolle. In der ersten und zweiten Klasse haben sie lesen und schreiben gelernt – die Standardsprache hat einen wichtigen Platz eingenommen. Im Klassenzimmer oder auf dem Pausenplatz begegnen sie Kindern mit anderen Herkunftssprachen – auf dem Schulweg lesen sie Plakate mit «fremden» Wörtern. Zuhause vor dem Fernseher hören sie Standarddeutsch und viele andere Sprachen. In den Ferien oder in der Verwandschaft werden sie aufmerksam auf andere Sitten und Kulturen… Viele Fragen tauchen auf. Kinder sind neugierig, offen und empfänglich – auch für andere Sprachen und Welten.

Die dritte Klasse ist also ein guter Zeitpunkt, um den Kindern bewusst zu machen, dass die Menschen auf der Welt in vielen verschiedenen Sprachen und Schriften miteinander kommunizieren und dass es nun darum geht, eine davon zu lernen, nämlich die Sprache des Nachbarn.

Kommunikation in verschiedenen Sprachen und Schriften

Zum Beispiel: Im neuen Lehrmittel begegnen die 3. Klässler ganz am Anfang einer Geschichte, die zwar in Französisch geschrieben ist, in der es aber um viele Sprachen geht. Nachdem sie die Geschichte kennen gelernt haben, erhalten sie den Auftrag, in ihrer eigenen Umgebung nach Wörtern in verschiedenen Sprachen zu suchen. Sie wählen dann ihre Lieblingswörter aus und präsentieren sie in einer Collage. So erfahren sie bewusst, dass die Welt um sie herum in mehr als einer Sprache existiert.

Hören und Aufbau der phonologischen Bewusstheit

Die neuen Lehr- und Lernmaterialien Französisch sind für die 3. Klasse so konzipiert, dass das Hören und der Aufbau einer phonologischen Bewusstheit sowie eines soliden Klangbildes eine zentrale Rolle spielen. (Dazu mehr z. B. auf Wikipedia)

Zum Beispiel: Die oben erwähnte Geschichte kann von der Lehrperson erzählt, von den Kindern ab DVD gesehen oder als Audio-Dokument gehört werden. Anschliessend haben die Kinder Gelegenheit, sich die einzelnen Teile in einer Werkstatt mit Unterstützung der Bilder und des Textes mehrmals anzuschauen und zu hören.

Neues und Interessantes über authentische Inputs

In der 3. Klasse lernen die Kinder Französisch, um auch in dieser Sprache Neues und Interessantes über die Welt zu erfahren. Neue Inhalte werden daher nicht für das Sprachenlernen konstruiert, sie sind authentisch.

Zum Beispiel: Schülerinnen und Schüler erfahren im Französischunterricht, wie die Schule für Kinder aus ganz verschiedenen Ländern aussieht. Dabei werden die Neugier und das Interesse zuerst vor allem auf den Inhalt gelenkt; Wortschatz und Strukturen werden anschliessend mit dem Ziel ausgewählt und geübt, um mit einfachen sprachlichen Mitteln den eigenen Schulweg zu beschreiben. Kommunikative Fähigkeiten werden so schrittweise aufgebaut und erweitert.

Spiel, Bewegung, Rhythmus, Reim und Musik

Kommunikationssituationen in der ersten schulischen Fremdsprache erleben Schülerinnen und Schüler in der 3. Klasse sehr oft über Spiel, Bewegung, Rhythmus, Reim und Musik. Auf dieser Stufe ist es daher wichtig, dass die Sprache auch auf der enaktiven Ebene (d. h. durch Handlungen und Bewegungen) erfahren wird.

Zum Beispiel: Die Schülerinnen und Schüler lernen Spiele kennen, die man in ganz verschiedenen Ländern der Welt spielt: Bewegungsspiele, Musikspiele, Abzählspiele, usw. Sie hören und lesen authentische Informationen und einfache Anleitungen zu verschiedenen Spielen. Anschliessend können sie diese Spiele teilweise selber ausprobieren.

Lesen und Schreiben

Selbst wenn in der 3. Klasse das Hören im Vordergrund steht, wollen die Kinder in der Fremdsprache auch lesen und schreiben. Als Leseanfänger haben sie sich in der 1. und 2. Klasse darin geübt, vom Klangbild zum Schriftbild zu kommen, sie haben die Laut-Buchstaben-Beziehung erkannt und auch das sinnerschliessende Lesen entdeckt. Diese kognitiven Leistungen können und wollen die Kinder auf die Fremdsprache übertragen. Sie wollen verschriftlichen, was sie bewegt.

Zum Beispiel: Die Kinder haben eine kurze Bilderbuch-Geschichte kennen gelernt. In einer Übungsphase hören sie wichtige Wörter mehrmals und erkennen sie im schriftlichen Text. Wörter, die den gleichen Laut enthalten, werden dann gross auf je ein Plakat geschrieben. Zuletzt werden sie für eine eigene kurze Geschichte wieder verwendet. Dabei können auch Bilder eingesetzt werden, die fehlende Wörter oder Satzteile ersetzen.

Aufbau des Sprechens

Die rezeptiven Fertigkeiten Hören und Lesen haben in der 3. Klasse Vorrang vor dem Sprechen. Kinder brauchen eine Art «Inkubationszeit», bis sie von der Rezeption zur freien mündlichen Produktion kommen. Die Lernenden werden aber trotzdem von Anfang an zum Sprechen angeleitet. Sie sprechen und singen vorerst nach, aber sie erhalten auch systematisch Aufgaben zum freien Sprechen, wobei Hilfestellungen durch Lehrmittel und Lehrperson sehr wichtig sind. Auf dieser Stufe vermischt sich beim Sprechen die Fremdsprache noch oft mit der Schulsprache.

Zum Beispiel: Die Kinder sind in Gruppen mit einem Spiel in Französisch beschäftigt. Sie müssen miteinander kommunizieren, damit der Spielablauf klappt. In grossen Sprechblasen stehen Wörter und Sätze bereit, die sie beim Spielen verwenden können. Diese vorgegebenen Sprachmittel können alle Schülerinnen und Schüler verwenden. Was die Kinder zusätzlich ausdrücken möchten, kann auch in der Schulsprache geschehen.

Kommunikationskompetenz in einer neuen Sprache aufbauen bedeutet, einen Dialog zwischen der eigenen sprachlichen Welt und der neuen Sprachwelt behutsam aufzubauen und bewusst zu fördern. Das geschieht unter anderem dadurch, dass der «mehrsprachige Alltag» der Kinder als Ressource genutzt wird. Oft unterschätzen wir die Fülle von fremdsprachlichen Einflüssen, denen wir ausgesetzt sind und die es zu entdecken gilt. Kommunikationsfähigkeit bedeutet also nicht nur sprechen zu lernen. Es geht am Anfang vor allem darum, die neue Welt durch Lesen und Hören authentisch und hautnah zu erleben, Schritt für Schritt verstehen zu lernen und mit dem eigenen Erfahrungshintergrund zu vergleichen. Das Französisch-Lehrmittel, das im schulverlag erscheinen wird, will diesen Prozess systematisch unterstützen.

Weitere Beiträge zu anderen Themen und Stufen folgen nun regelmässig.

Ida Bertschy, Martin Müller, Peter Uhr

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