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Reisen in Raum und Zeit

Im Kanton Basel-Landschaft wurde auf das Schuljahr 2008 / 2009 hin das Lehrmittel «RaumZeit» eingeführt. In obligatorischen Einführungskursen haben sich Lehrerinnen und Lehrer darauf vorbereitet. Eine Reportage.

39 Lehrerinnen und Lehrer mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen kommen am Kursmorgen in der Aula in Muttenz an. Da die Einführung für alle, die mit dem Lehrmittel «RaumZeit» unterrichten wollen, obligatorisch ist, sind nicht alle gleich motiviert. Etliche haben die Materialien bereits studiert, einige wenige sogar schon erste Erfahrungen im Unterricht gesammelt. In anderen Schulhäusern, in welcher das Material erst kürzlich angeschafft worden ist, konnten die Lehrmittelteile noch gar nicht gesichtet werden. Dass in «RaumZeit» ein Legeset mit 83 Farbtafeln das Leitmedium ist und nicht – wie in der Reihe üblich – ein Themenheft, das sonst den roten Faden und Orientierungshilfen bietet, erschwert den ersten Zugang offenbar zusätzlich.

Erste Einschätzungen

Neu ist für die Lehrpersonen vor allem, dass im Fachbereich Mensch und Umwelt (NMM) Lehrmittel zur Verfügung stehen. Die meisten haben bisher mit eigenen und aus den unterschiedlichsten Quellen stammenden Materialien unterrichtet. Was spricht nun dafür, mit den «RaumZeit»-Materialien zu arbeiten? Dazu einige Stimmen von Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern:

«Zu meinem Grundauftrag gehört, mit auf dem heutigen Wissensstand basierenden Materialien zu arbeiten und inhaltlich wie didaktisch-methodisch am Ball zu bleiben.»

«Das Lehrmittel bietet eine Fülle von Material, das zu selbstständigem, handelndem Lernen führt.»

«Ich finde die Materialien sehr ansprechend gestaltet.»

Es gibt aber auch kritische Stimmen:

«Mir fehlen die Sachinformationen.»

«Die Bilder im Legeset sind so klein, wie soll ich so mit einer ganzen Klasse arbeiten?»

«Ich bin überfordert von der Menge an Material. Wann soll ich das alles machen?»

Es ist offensichtlich: Die Materialien stossen auf Interesse; der Umgang damit verlangt jedoch eine Einführung.

Erste Antworten

Bis zur ersten Pause sind einige Fragen der Teilnehmenden bereits geklärt. Die drei Teile des Lehrmittels (Legeset, Klassenmaterial und Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer) sind eng miteinander verhängt. Das Legeset ist als Gruppenmaterial für 3 bis 4 Kinder konzipiert. Die Kopiervorlagen enthalten eine Fülle von Anleitungen zur Arbeit mit den Bildern aus dem Legeset sowie Geschichten, Experimente und Anleitungen zum Nachkonstruieren und Gestalten. Sie bieten Arbeitsmaterialien, Anleitungen für eigene Vorhaben, Sachinformationen, Übungs- und Transfermaterial, mit denen der Unterricht individualisiert und differenziert angelegt werden kann. In den Hinweisen sind die nötigen Hintergrundinformationen für die Lehrpersonen zu finden.

Aktiv werden

Die am Boden ausgelegten Raumreisekarten beeindrucken durch das vielfältige Bildermaterial. Mit den auseinandergeschnittenen 56 kleinen Bildkarten werden die Lehrpersonen aktiv – die Aufträge aus dem Klassenmaterial zeigen Wege auf, wie mit den Karten gearbeitet werden kann. Mit mehr oder weniger Begeisterung beginnen Lehrerinnen und Lehrer, in Gruppen die Karten auszulegen, zu betrachten, zu ordnen – und schnell stehen Fragen im Raum: Verstehen die Kinder, dass die Bilder exemplarisch für die unterschiedlichsten Raumelemente stehen? Was lernen Kinder mit den Karten? Und genauso schnell entstehen intensive Diskussionen. Im Gespräch werden Ideen entwickelt, Aufträge diskutiert und auf die eigene Schulsituation angepasst. So erfahren die Lehrpersonen «am eigenen Leib», was in den Hinweisen zum Lehrmittel «dialogisch-kooperatives Lernen» genannt wird. Sie erleben, was die Materialien in Gang setzen und wie oder was damit gelernt werden kann.

Konzepte weiterentwickeln

Im Folgenden erhalten die Lehrpersonen weitere Hintergrundinformationen. Das Lehrmittel ermöglicht das Weiterentwickeln von Konzepten – bei den Lernenden wie auch bei den Lehrenden:

  • von der Instruktion zum strukturierten, begleiteten selbstständigen Forschen und zum Interpretieren von Informationen aus Bildern, archäologischen Funden usw.;
  • vom epochalen Unterricht zum Vergleichen von Situationen und Erkennen von Entwicklungen und Veränderungen;
  • vom rezeptiven Lernen zur kritischen Auseinandersetzung mit Informationen;
  • vom reinen Vermitteln von Inhalten zur Verbindung der inhaltlichen Ziele mit der Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Vergleichen, ordnen

Am Nachmittag erhalten alle Gruppen aus der Zeitreise die zerschnittenen Karten zur Landschaft, zu den Lebenssituationen, zu Kleidern und Schmuck und zu den Funden aus allen sechs dargestellten Zeiten. Der Auftrag dazu:

Ordnen Sie die Bilder den sechs Epochen zu und bringen Sie diese in eine zeitliche Reihenfolge.

Ein Auftrag, der die Lehrpersonen fordert (für Schülerinnen und Schüler müsste die Komplexität des Auftrags reduziert werden). Auch hier zeigt das Material Wirkung:

«Hier ist die Landschaft mehr besiedelt, das kommt später.»

«In der Jungsteinzeit wurde Wald gerodet.»

«Hier sind Zelte zu sehen, das sind Nomaden. Das gehört zur Altsteinzeit.»

«Hier kannst du die Überreste des jung­steinzeitlichen Dorfes sehen, das ist sicher die Bronzezeit.»

«Schmiede gibt es erst in der Eisenzeit.»

«Wann wurde das Rad erfunden?»

Details auf den Zeichnungen geben Hinweise auf die Zeit. Sie lösen Diskussionen aus. Gemeinsam wird nach Erklärungen gesucht.

Informationen

Schülerinnen und Schüler finden im Klassenmaterial Informationen und Anleitungen, die sie bei der Suche nach Antworten aus der Arbeit mit dem Legeset unterstützen. Die Lehrperson kann gezielt Materialien auswählen und damit die Lernenden bei der Suche nach Antworten auf ihre Fragen und der Erarbeitung von Inhalten unterstützen.

Stimmen zum Schluss

«Die Materialien ermöglichen den Kindern wirklich, Zeiten zu vergleichen und Entwicklungen zu erkennen».

«Mir macht die Fülle etwas Angst. Geht das mit Kindern?»

«Die Legesetkarten haben mich zum handelnden Lernen gebracht. Die Arbeit war spannend, ich war aktiv.»

Und alle Lehrpersonen waren sich am Schluss einig: Wir wollen «Raum­Zeit» im eigenen Unterricht ein­setzen – Lernen los!

Hans-Peter Wyssen

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