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Mit Fehlern umgehen – nicht allein in der Schule

«Ich lerne, das Risiko möglichst klein zu halten»

Ein Interview mit Jonas Zbinden, der mit 15 Jahren das Segelfliegen lernt.

Du bist einer der jüngsten Segelflieger in Ausbildung. Was hat dich bewogen, das Segelfliegen zu lernen?

Schon mit sieben Jahren wollte ich Pilot werden, dieser Berufswunsch ist geblieben. Vor einem Jahr durfte ich hier auf dem Belpmoos bei der Segelfluggruppe einen Schnupperflug machen, das hat mir sehr gut gefallen. Die Ausbildung im Segelfliegen ist für mein Alter die frühste Gelegenheit, an den Beruf des Piloten heranzukommen.

Was ist das Besondere an dieser Ausbildung?

Jonas Zbinden: Lernt mit 15 Jahren das Segelfliegen.Jonas Zbinden: Lernt mit 15 Jahren das Segelfliegen.

Dass ich mich auf alles sehr gut vorbereite. Dazu gehört schon das Bereitstellen des Flugzeugs mit den genauen Kontrollen. Dann bespreche ich mit meinem Fluglehrer zum Beispiel das Startverhalten in verschiedenen Situationen. Diese mentale Vorbereitung macht mich stark.

Welche Rolle spielt dein Fluglehrer während des Fliegens?

Er sitzt hinter mir und hat wie ich einen Steuerknüppel, beide sind miteinander verbunden. Zu Beginn der Ausbildung spürte ich in meinen Händen einfach die Bewegungen des Fluglehrers mit dem Steuerknüppel. Er kommentierte, was er tat, und ermunterte mich später vorzuschlagen, was als Nächstes zu tun sei. Dann konnte ich selbst den Steuerknüppel führen. Heute mache ich sozusagen alles selbst.

Wie reagierst du, wenn dein Flug­lehrer eingreift?

Ich versuche abzuschätzen, ob ich hätte anders reagieren sollen, er mich also korrigiert oder ob er mich mit einer neuen Situation konfrontieren will. Da wir dauernd miteinander sprechen, lerne ich direkt in der Situation. Ich übe mithilfe des Fluglehrers zu reagieren. Das Eingreifen und das Gespräch darüber gehören zusammen, sie sind ein wesentlicher Teil der Ausbildung.

Welches sind besondere Risiken beim Segelfliegen?

Zum Beispiel, dass du wegfliegst und plötzlich keine Thermik mehr findest. Das heisst, du schaffst es nicht mehr zurück zum Flugplatz und musst im Gelände landen. Dies passiert jedem Piloten einmal. Andere Risiken sind, dass du beim Landen zu hoch bist oder dass das Schleppseil reisst.

Wie lernst du den Umgang mit dem Risiko?

Alles, was passieren könnte, lerne ich im geschützten und kontrollierten Rahmen. Das heisst in Gesprächen, in kleinen Versuchen und immer wieder in Nachbesprechungen. Ich lerne, das Risiko möglichst klein zu halten.

Heisst das, dass es keine Fehler geben darf?

Ich muss so gut vorbereitet sein und die eventuellen Risikosituationen so gut kennen, dass so wenig Fehler wie möglich passieren. Ich lerne, mich beim Fliegen selbst sehr gut zu beobachten, schnell zu reagieren und wieder zu beobachten. Es ist entscheidend, ob ich weiss, wie ich mich verhalten muss, wenn ein Fehler passiert. Das bedeutet, dass ich Respekt vor dem Fliegen habe. Die Fehler passieren nur durch Wagnisse und Routine, wenn die Konzentration und der Respekt vor dem Fliegen verloren gehen. «Routine ist dein grösster Feind!», sagt ein Pilotensprichwort.

Morgen bist du wieder Schüler des Gymnasiums. Was ist der Hauptunterschied zwischen deinem Lernen in der Schule und deinem Lernen hier?

In der Schule lerne ich sehr viele Dinge, zu denen ich wenig Beziehung habe. Ich lerne auch oft auf Vorrat. Hier lerne ich für die Anwendung und durch das Anwenden.

Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute beim ersten Flug ohne Begleitung!

Therese Grossmann
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