Das «Lernweltenbild» als interkulturelle Brücke
Aprender y enseñar
Schülerinnen und Schüler lernen, gezielt eigene Vorhaben zu planen, zu realisieren, zu dokumentieren und zu präsentieren. Das erfordert unterschiedliche (Gestaltungs-) Kompetenzen … unter anderem auch im Umgang mit Freiräumen und Grenzen.
Trockenzeit, es ist heiss in San Marcos. In einer halben Stunde soll der Austausch zum Thema Lehren und Lernen im Fachbereich Mensch und Umwelt beginnen (Seres humanos y medioambiente). Aus allen Schulen der Gemeinde – von der Primar- über Sek I und II – sollen die Direktorin oder der Direktor am Austausch teilnehmen. Eingeladen wurden sie vom lokalen Vertreter des Ministerio de Educación.
Der Raum ist eingerichtet, der Beamer scheint zu funktionieren, die Materie kenne ich und Kurse erteile ich seit 30 Jahren. Zudem fühle ich mich in San Marcos fast wie zu Hause, viele der Teilnehmenden kenne ich schon. Trotzdem spüre ich eine gewisse Anspannung: Werden wir – ausgehend von einem didaktischen Ansatz und einer Visualisierung aus unserem Kulturkreis – ins Gespräch kommen zum vereinbarten Thema? Wird sich das Gemeinsame als grösser erweisen als das Trennende, Unterschiedliche?
Langsam füllt sich der Raum. Mit der üblichen Verspätung können wir beginnen. SUIZA?? taucht auf der Leinwand auf. Was wisst ihr darüber, glaubt ihr zu wissen? – Nein, natürlich kein Test, keine Kontrolle: Einfach den Blick gegen innen wenden, die inneren Bilder abtasten: Vorstellungen aktivieren, Wissenselemente abrufen. Konzentrierte Stille, zögern, aufschreiben, ein verstohlener Blick nach links oder rechts. Dann eine erste Austauschrunde in Gruppen: Oh, ja, gemeinsam kommt doch einiges zusammen. Doch was sind Fakten, was Vermutungen, Clichés? Fragen zur Schweiz werden gesammelt und aufgeschrieben: ein breites Spektrum!
Nun folgt ein kurzer Input zum Lernweltenbild und zum Lehr-Lern-Verständnis (el socio-constructi-vismo), das unserer Lehrmittelreihe zugrunde liegt. Danach die Einzelarbeit: Wie sieht mein eigener Unterricht aus? Was kommt mir auf dem Bild bekannt vor, was mache ich häufig, selten, nie? Dann wieder Austausch in den Gruppen.
Meine Skepsis erweist sich als unbegründet. Die Gespräche untereinander laufen sofort auf Hochtouren. Wie erhofft kann ich in den Hintergrund treten. Ich bin ja nicht da als «Besserwisser», sondern als Anreger zum Nachdenken und Austauschen. Im Plenum fasst jemand – unerwartet und ungefragt – die Grundideen, die hinter unserem Ansatz stehen, prägnant und perfekt zusammen. Doch es bleibt nicht beim braven Reproduzieren, sondern Probleme zum Lehren und Lernen werden aufgerollt, engagiert, persönlich und auch kontrovers diskutiert.
Und dann kommen die Fragen zur Schweiz, vor allem zur Schule in der Schweiz. Natürlich ist die Zeit zu kurz, um auf alles einzugehen. Trotzdem auch hier die Frage: Hat sich etwas verändert am Bild der Schweiz? Was weiss ich jetzt mehr? Was würde mich noch interessieren?
Dasselbe zum Thema Lehren und Lernen. Übereinstimmend kommen die Anwesenden zum Schluss, dass sie das Bild in ihren schulhausinternen Kursen einsetzen wollen. Sie erachten es als geeignet, um konkret über ihre Schul- und Unterrichtssituation nachzudenken.
Irgendwie sind wir uns nähergekommen. Ob hier oder dort: Die Grundfragen des Unterrichtens, des Lehrens und Lernens sind überall dieselben. Eine Einsicht, die verbindet.
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