Eine Produktion von schulverlag blmv AG

Wettbewerb für Projektarbeiten

Gemeinsam stark im Projektunterricht

Im Januar 2009 hat die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz Luzern (PHZ Luzern) zusammen mit der Schulverlag plus AG in Bern für die Sekundarstufe I erstmals einen Wettbewerb ausgeschrieben, der Projektarbeiten von Zentralschweizer Schülerinnen und Schülern auszeichnet. Insgesamt gingen bei den Wettbewerbsorganisatoren rund 100 Arbeiten ein. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Projektarbeiten, die alleine oder in Gruppen im Unterricht auf der Sekundarstufe I entwickelt, umgesetzt und ausgewertet wurden. Zehn der eingereichten Arbeiten schafften es in den Final, der am Samstag, 27. Juni 2009, im Hotel Palace in Luzern stattfand.

Erich Lipp: Dozent, Fachleiter und Fachberater an der PHZ Luzern in den Fächern Lebenskunde und Klassenführung sowie Projektunterricht mit ProjektmanagementErich Lipp: Dozent, Fachleiter und Fachberater an der PHZ Luzern in den Fächern Lebenskunde und Klassenführung sowie Projektunterricht mit Projektmanagement

Das Projekt «Blue Planet» von Carmen Bründler, Petra Bucher und Rea Aebi aus Root (Kanton Luzern), alle Jahrgang 93, überzeugte die Jury. Die Sekundarschülerinnen bauten aus Schrott- und Recyclingmaterial vier verschiedene Instrumente, die sie nun Primarschülerinnen und -schülern auf dem Pausenplatz zum Spielen zur Verfügung stellen. Michael Zutavern, Prorektor der PHZ Luzern und Jurymitglied, lobte das Projekt: «Die Siegerinnen hatten die kluge Idee, aus Schrott etwas Sinnvolles zu machen und dies dann auch noch anderen zur Verfügung zu stellen.»

«profi-L» wollte von den Siegerinnen in der Kategorie Gruppenprojekte wissen, wie sie die Zusammenarbeit während ihres Projektes erlebten.

Einige Tage sind seit dem Final vom Samstag vergangen. Sichtlich stolz sitzen die drei sympathischen jungen Frauen vor ihren Pulten und beantworten geduldig Fragen. Zum Auftakt ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Tage: Riesig sei das Echo auf ihren Sieg gewesen. Vor allem der Artikel in der Neuen Luzerner Zeitung vom Montag habe viele Telefonate, E-Mails und SMS ausgelöst. Wildfremde Personen hätten sogar mit dem Auto auf der Strasse angehalten und ihnen gratuliert. «Ja, wir sind stolz auf unser Projekt!» «Wir haben nur positive Reaktionen auf unser Projekt erhalten.» Und: «Die Wettbewerbsteilnahme war ein einmaliges Erlebnis, das wir nie vergessen werden.»

Was ist anders im Projektunterricht als im herkömmlichen Fächerunterricht?

Petra Bucher: Es ist eine gute Erfahrung für später, weil wir selber organisieren, in Gruppen arbeiten, selbstständig und kreativ arbeiten können.

Rea Aebi: Später sind wir auch auf uns alleine gestellt. So gesehen lernte ich im Projektunterricht in der Selbstständigkeit hinzu. Auch lernten wir detailliert zu planen.

Carmen Bründler: Diese Zeiteinteilung vor der Umsetzung des Projektes war eine grosse Hilfe. Zudem ist der Projektunterricht eine willkommene Abwechslung zu den meist kopflastigen Fächern.

Was ist euer Erfolgsrezept als Gruppe?

Carmen Bründler: Wir waren bereit, auch in unserer Freizeit viel Zeit zu investieren.

Petra Bucher: Unsere Zusammenarbeit war so erfolgreich, weil wir uns schon seit dem Kindergarten kennen und gute Freundinnen sind. Wir sind auch zusammen in der Pfadi. Da wir ein klares Produkt vor Augen hatten, uns klare Ziele formuliert hatten, ging es uns im Prozess leichter. Wir arbeiteten immer in der Garage von Reas Elternhaus.

Carmen Bründler: Unsere Einigkeit im Vorgehen. Als wir unser Projekt vorbereitet und geplant hatten, sammelten wir zunächst Schrott. Dann fertigten wir Skizzen unserer Instrumente an, danach holten wir uns noch den Schrott, den wir für die Fertigstellung unserer vier Instrumente brauchten.

Rea Aebi: Obwohl wir die Hauptverantwortung für die einzelnen Instrumente aufteilten, halfen wir einander immer gegenseitig. Probleme wurden stets gemeinsam gelöst und die weiteren Schritte diskutiert.

Wo habt ihr voneinander konkret profitieren können?

Rea Aebi: Carmen hat vor allem handwerkliche Qualitäten. Dafür sind Petra und ich vielleicht bei der Planung stärker.

Petra Bucher: Ja, ich denke, dass Rea und ich vielleicht besser in der Ideenfindung und Planung waren, dafür Carmen bei der konkreten Umsetzung unserer Ideen unersetzlich war.

Carmen Bründler: Ich habe im Gruppenprojekt durch die Zusammenarbeit gelernt, worauf bei der Vorbereitung und Planung eines Projektes zu achten ist. So fiel es mir am Schluss des 9. Schuljahres, als wir selber eine Abschlussarbeit in Angriff nehmen mussten, leichter, eigenständig eine Planung in Angriff zu nehmen.

Rea Aebi: Beim Dokumentieren teilten wir uns auf. Hier profitierten wir von einer guten Arbeitsteilung. Auch gab es nebst Einzelarbeiten (Teile der Dokumentation zusammenstellen, Teile des Instrumentes konstruieren, Materialien zusägen oder bohren), immer auch Partnerarbeiten (Sprayen, Befestigen von Schrauben etc.), aber auch Gruppenarbeiten (Probleme lösen, gemeinsame Sitzungen, gemeinsames Feinabstimmen der Dokumentation und gemeinsames Vorbereiten der Präsentation).

Haben eure Lehrpersonen durch euer Projekt auch gelernt?

Petra Bucher: Insofern vielleicht, dass sie überrascht waren, dass wir aus Schrott so tolle Instrumente herstellen konnten. Und vielleicht auch, dass wir so etwas Sinnvolles herstellen konnten.

Gab es Aha-Erlebnisse während eures Projektes?

Carmen Bründler: Ja, im technischen Bereich gab es einige Aha-Erlebnisse. So setzten wir uns u.a. stark mit der Konstruktion eines Xylophones auseinander. In diversen Probeversuchen mit Kabelbindern, Schrauben und Metallstangen lernten wir, wie wir das Xylophon bauen mussten, damit es einerseits immer gut tönt und trotzdem schön aussieht. Auch beim Bearbeiten des Metalls mussten wir lernen, wie durch das Abschleifen die Verletzungsgefahr beim Verwenden der Musikinstrumente durch die Primarschülerinnen und -schüler vermindert werden konnte.

Gab es auch Konflikte?

Rea Aebi: Nein, wir kennen uns schon so lange, sodass es keine Konflikte gab. Weil sich unser Arbeitsort ausserhalb des Schulhauses befand, wurden wir nicht gestört und konnten zielstrebig unser Projekt durchführen.

Carmen Bründler: Entscheidend war sicher auch die Tatsache, dass wir die Gruppe selber zusammenstellen konnten. Es gab einige, die blieben am Schluss bei der Gruppenbildung der Gruppenprojekte übrig. Hier gab es schon Konflikte. Bei uns aber nicht!

Petra Bucher: Wir waren auch stets motiviert, hatten ähnliche Vorstellungen unseres Produktes, hatten Spass bei der Arbeit und waren überzeugt von unserer Idee. Dies half sicher auch mit, dass wir am gleichen Strick zogen.

Danke für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute. und hoffen, dass ihr noch einen tollen Abschluss der Sekundarschulzeit haben werdet.

Carmen Bründler: Ein tolles Abschlussfest wird es sicherlich geben. Aber es ist schade, dass sich die Wege der Schülerinnen und Schüler unserer Klasse trennen. Da gibt es schon noch Herzschmerz zu verkraften.

Übrigens: Die Wege trennen sich nicht ganz. Rea und Petra wechseln nach den Sommerferien ins Kurzzeitgymnasium Musegg. Für Carmen aber beginnt die KV-Lehre auf der Gemeinde Root, mit Berufsmatura. Carmen: «Schreiben Sie das nicht mit der Berufsmatura, das ist Blöff.» In der Bescheidenheit liegt die Wurzel des Erfolgs …

Erich Lipp
AnhangGröße
Artikel als PDF herunterladen115.19 KB
Themengebiete / Rubrik:
schulverlag blmv AG